WordPress betreibt rund 43 % aller Websites weltweit. Next.js ist der dominante Stack im Custom-Bereich und bei Performance-fokussierten Projekten. Für KMU mit Website-Bedarf stellt sich die Frage seltener als „WordPress oder nicht WordPress" — und häufiger als „welcher Stack passt zu meinem konkreten Projekt". Hier ist der ehrliche Vergleich, ohne Stack-Religion.
Die ehrliche Antwort vorweg
WordPress oder Next.js für meine KMU-Website?
WordPress ist die richtige Wahl für inhalts-getriebene Sites mit nicht-technischen Editoren und Standard-Anforderungen. Next.js ist die richtige Wahl, wenn Performance kritisch ist, Sie Code-Eigentum brauchen, oder spezifische Backend-Logik integrieren wollen. Die meisten KMU bekommen mit WordPress mehr Wert pro Euro — die 20 % der KMU mit höheren Performance- oder Differenzierungs-Ansprüchen mit Next.js.
Was WordPress kann
WordPress hat einen 23-jährigen Vorsprung im Plugin-Ökosystem und im Marktreichweite. Was das konkret bedeutet:
Riesiges Plugin-Universum. Für fast jede Funktion (Cookie-Banner, Newsletter-Anbindung, Mehrsprachigkeit, Booking, E-Commerce) gibt es 5–20 Plugin-Optionen. Implementation oft binnen Stunden statt Tagen.
Editor-Kompatibilität. Nicht-technische Mitarbeitende können nach 1–2 Stunden Einarbeitung Inhalte selbst pflegen. Block-Editor (Gutenberg) ist 2026 ausgereift, viele Themes integrieren ihn nahtlos.
Entwickler-Verfügbarkeit. In Wien, im DACH-Raum, weltweit gibt es zehntausende Entwickler, die WordPress beherrschen. Bei einem Anbieter-Wechsel oder bei Support-Bedarf ist Verfügbarkeit kein Problem.
Schnelle Initial-Builds. Mit einem soliden Theme (Astra, Generatepress, Kadence) ist ein Standard-WordPress-Site in 20–40 Stunden fertig. Custom-Next.js-Builds liegen typisch bei 60–120 Stunden für vergleichbaren Funktionsumfang.
Was Next.js kann
Next.js ist die Plattform der Wahl, wenn die WordPress-Standardlösung an ihre Grenzen kommt:
Performance. Statisch generierte Next.js-Sites erreichen Lighthouse-Scores von 95–100 mit minimaler Optimierung. WordPress kommt da mit Optimierungs-Aufwand auch hin, aber meist nicht ohne Performance-Plugin und sorgfältiges Theme-Tuning. Beim LCP (Largest Contentful Paint) ist Next.js mit next/image deutlich vor WordPress.
Code-Eigentum und Portabilität. Next.js-Sites laufen auf jedem Hosting, das Node.js oder statische Assets ausliefern kann — Vercel, Hetzner, AWS, Cloudflare. Kein Vendor-Lock-in, kein Plugin-Ökosystem-Abhängigkeit.
Backend-Integration. Wenn die Site mehr ist als Marketing — Datenbanken, Auth, Stripe-Integration, externe APIs — ist Next.js mit App-Router-API-Routes deutlich produktiver als WordPress mit REST API + benutzerdefinierten Endpoints.
TypeScript und moderne Developer Experience. Wer mit TypeScript, React, modernen JS-Stacks arbeitet, ist in Next.js zu Hause. WordPress-Custom-Development ist primär PHP — was 2026 nicht mehr „bad" ist, aber für viele Teams keine erste Wahl.
Schema.org und AEO. In Next.js können Sie strukturierte Daten als pure JSON-LD im Code rendern, mit voller Type-Safety. In WordPress brauchen Sie meist Plugins, die zwischen Plugin-Versionen brechen können.
Direkte Vergleichs-Tabelle
| Faktor | WordPress | Next.js |
|---|---|---|
| Initial-Setup | 20–40 h | 60–120 h |
| Initial-Kosten KMU-Site | 2.500–5.500 € | 3.500–8.000 € |
| Wartung pro Jahr | 600–1.200 € | 200–500 € |
| Lighthouse-Score (typisch) | 70–90 | 95–100 |
| Selbst-Editierbarkeit | Nativ (Block-Editor) | Mit Headless-CMS möglich |
| Plugin-Ökosystem | Riesig | Klein, aber wachsend |
| Code-Eigentum | Ja, aber Plugin-Abhängigkeit | Vollständig |
| Update-Frequenz nötig | Hoch (monatlich Plugins) | Niedrig (halbjährlich) |
| Schema.org-Implementierung | Plugin-basiert | Native im Code |
| Hosting-Anforderungen | PHP + MySQL | Node.js oder statisch |
| Skalierbarkeit unter Last | Mittel (Cache nötig) | Sehr gut (CDN-fähig) |
Wann WordPress die richtige Wahl ist
- Standard-Marketing-Site mit Blog. Über uns, Leistungen, News, Kontakt — WordPress liefert das in 30 Stunden, voll editierbar, für 3.000 €. Custom dauert länger und kostet mehr, ohne klaren Mehrwert.
- Inhalte werden täglich gepflegt. Wenn die Inhalte sich häufig ändern und nicht-technische Mitarbeitende editieren, ist der Block-Editor schwer zu schlagen.
- Standard-E-Commerce. WooCommerce ist nicht perfekt, aber für KMU mit Standard-Shop-Anforderungen die schnellste Lösung.
- Mehrsprachige Standard-Site. Mit WPML oder Polylang in WordPress vollständig gelöst. In Next.js mit
next-intlmöglich, aber mehr Setup. - Budget unter 4.000 €. Custom-Next.js wird unter dieser Schwelle eng, WordPress passt da besser.
Wann Next.js die richtige Wahl ist
- Performance ist Differenzierungsmerkmal. Wenn Sie mit Lighthouse 100 oder Sub-Sekunden-LCP werben oder konkurrieren wollen.
- AEO-Schwerpunkt. Saubere Schema.org-Implementierung, llms.txt-Setup, antwort-orientierte Strukturen sind in Next.js direkter umsetzbar als in WordPress mit Plugins.
- Backend-Integration kritisch. Stripe-Subscriptions, Auth, externe APIs, Datenbank-Anbindung — alles in einem Stack.
- Lange Lebensdauer der Site. WordPress-Updates werden mittel- bis langfristig (5+ Jahre) zur Wartungslast. Next.js-Sites altern besser, weil weniger Plugin-Abhängigkeiten.
- Site soll sich von der Branche differenzieren. Custom-Sites haben Custom-Charakter; WordPress-Templates lassen sich oft als solche erkennen.
Hybrid-Setups: Headless WordPress + Next.js
Eine zunehmend beliebte Variante ist Headless WordPress als CMS-Backend mit Next.js als Frontend. Die Idee: WordPress liefert nur Daten via REST oder GraphQL, Next.js rendert die Site.
Vorteile:
- WordPress-Edit-Erfahrung für nicht-technische Mitarbeitende
- Next.js-Performance und -Architektur im Frontend
- Code-Eigentum (zumindest am Frontend)
Nachteile:
- Initial-Komplexität (zwei Systeme statt eines)
- Höhere Kosten (3.500–10.000 € einmalig)
- Mehr Wartungs-Punkte (WordPress-Backend + Next.js-Frontend separat)
- Plugin-Ökosystem nur eingeschränkt nutzbar (Frontend-Plugins funktionieren nicht)
Lohnt sich für KMU mit ungewöhnlich hohen Anforderungen an Editierbarkeit UND Performance — sehr selten in der Praxis. Die meisten Use-Cases sind mit „pure WordPress" oder „pure Next.js mit Markdown/Sanity" besser bedient.
FAQ
Was ist mit Webflow als dritter Option?
Webflow ist eine Plattform-Lösung mit visuellem Editor und gutem Performance-Output. Vorteile: schnell visuelle Builds. Nachteile: Vendor-Lock-in, monatliche Plattform-Lizenz, eingeschränkte Backend-Integrations-Möglichkeiten. Für Designer-getriebene Marketing-Sites valide; für Sites mit echter Backend-Logik nicht ausreichend.
Wenn ich heute mit WordPress anfange, kann ich später migrieren?
Ja, aber teuer. Eine Migration WordPress → Next.js kostet 5.000–15.000 € — fast wie ein neuer Build. Wenn Sie absehen können, dass Sie in 1–2 Jahren auf Performance-fokussierte Architektur wechseln werden, fangen Sie direkt mit Next.js an.
Was ist mit Wartung? Ist Next.js wirklich „weniger"?
Realistisch ja. WordPress hat häufige Plugin-Updates (oft alle 2–4 Wochen), die Sicherheits-Patches enthalten. Wer ignoriert, wird gehackt. Next.js-Sites haben keine vergleichbare Plugin-Surface — Updates sind seltener und meist Framework-Releases (1–2× pro Jahr major).
Brauche ich für Next.js einen anderen Hosting-Anbieter?
Vercel ist die Standard-Wahl (kostenlos für kleine Sites, 20 $/Monat für Pro). Alternativen: Hetzner-VPS, AWS, Cloudflare Pages, Netlify. WordPress-Hosting (z.B. domainfactory, Hostinger) funktioniert für Next.js nicht.
Funktioniert Next.js mit deutschsprachigen Inhalten und ÄÖÜ?
Vollständig. Unicode ist 2026 nicht mehr Thema. Next.js handelt Sonderzeichen, Umlaute, Leerzeichen in URLs sauber.
WordPress vs. Next.js ist 2026 keine Glaubensfrage, sondern eine Passungs-Frage. Für 70 % der KMU-Sites ist WordPress die pragmatische Antwort. Für die anderen 30 % — besonders im Performance-, AEO- oder Custom-Backend-Bereich — gewinnt Next.js. Bei 1020.dev arbeiten wir primär mit Next.js, weil unser Kundensegment (B2B-KMU mit Performance- und Differenzierungs-Ansprüchen) tendenziell in den 30 % fällt — aber wir empfehlen WordPress, wo es passt.
Mehr zu konkreten Pricing-Bereichen im Website-Kosten-Artikel und zur 1020.dev-Service-Struktur auf der Service-Seite.